Der Germanische Jahreskreis

Die Wochentage

  • Die Wocheneinteilung nach Planeten & Göttern entstand durch orientalische Astronomen, die Griechen und Römer übernahmen diese und brachten diese "Erfindung" auch in den Norden. Die germanischen Stämme ersetzten die Götternamen mit den ihrigen, das geschah etwa im 2.-3. Jahrhundert n.0.
    Bei den Germanen beginnt die Woche mit dem Sonntag, weil er mit Balder nur Gutes bringt und die Sonne als Urquell allen Lebens besonders verehrt wird. Was außerdem oft zu Verwirrungen führt, ist die Tatsache, daß der neue Tag mit Einbruch der Nacht des vorherigen Tages beginnt, wie man am Sonnabend noch sehen kann.

 

  • Sonntag - altnord. Soldagr - Balder - Tag der Sonne  

  • Montag - altnord. Manidagr/althdt. Manatag - Mani/Heimdal - Tag des Mondes  

  • Dienstag - altnord. Tyrsdagr/ aleman. Ziistag/ althdt. Ziostag/ niederdt. Dingstag - Tyr - Tag des Thingfriedens

  • Mittwoch - altnord. Odhinsdagr/ fries. Wönsdei/ altsächs. Gudendag/ engl. Wednesday - Odin/Wotan - Mitte der Woche, daher Mittwoch

  • Donnerstag - altnord. Donarsdagr - Thor/Donar - Tag des Donners

  • Freitag - altnord. Friadagr/ althdt. Friijatag - Freyja - Tag für Verlobung & Hochzeit

  • Sonnabend/Samstag - altnord. laugardagr = Wasch- & Badetag/ althdt. Sambaztag/ nordwestdt. Satertag = direkte Ableitung vom römischen Tag des Saturn/ bei Sachsen, Friesen und Thüringern ist der germanische Begriff Sonnabend entstanden, was einfach soviel wie der Abend vor dem Sonntag bedeutet - Gebrüder Grimm haben versucht dem Tag Loki zuzuordnen als Entsprechung zu Saturn - Wasch- & Badetag


Die  Monate

    • Januar - Hartung - härtester & strengster Wintermonat

    • Februar - Hornung - heißt Bastard,  weil er nur wenige Tage zählt

    • März - Lenzing - Monat, der länger werdenden Tage

    • April - Ostaramond - Monat der Frühlinsgöttin Ostara

    • Mai - Wonnemond - Wonne/Weide, bezieht sich auf den Sommerbeginn

    • Juni - Brachet - Begriff aus der Dreifelderwirtschaft

    • Juli - Heuert - Monat der Heuernte

    • August - Ernting - Erntemonat

    • September - Scheiding - Ende des Sommers

    • Oktober - Gilbhart - bezieht sich auf das bunte Herbstlaub

    • November - Nebelung - Monat der feuchten Winternebel

    • Dezember - Julmond - Monat der Wintersonnenwende/Julfestes


    Die Jahresfeste

    • Mittwinter/Jul

      Termin: Wintersonnenwende, meist am 21. Dezember
      Beginn des männlichen Sonnenjahres. Davor sind die 12 Sperrnächte, wo jeder für 1 alten Monat steht. In dieser Zeit finden die Vorbereitungen für das Fest statt und alle Arbeit muß bis Jul getan sein, denn zu Mittwinter ist das alte Jahr vorbei und die 12 Rauhnächte beginnen, die durchgefeiert werden. Jeder dieser Nächte steht für einen zukünftigen Monat, daher wird jetzt die Zukunft vorausgesagt in Form von Runenwerfen, Träume deuten, Getreide säen, Bleigießen...
      Zu Mittwinter ist der kürzester Tag und die längste Nacht, danach werden die Tage langsam wieder länger. Zum Julfest findet die Götterdämmerung/Ragnarök statt. Im Kampf gegen die Riesen verlieren alle Götter ihr Leben. Nur Odin's Zwillingssöhne Vidar & Vali überleben, die den Vater & ihren Bruder Balder rächen, sowie Thor's Söhne Modi & Magni, die Mjöllnir bewahren konnten. Balder kehrt wieder und mit seiner Wiedergeburt siegt das Licht wieder über die Dunkelheit und neues Leben kann erstehen.

    • Perchtenfest

      Termin: am letzten Tag der Rauhnächte, meist um den 2./3. Januar
      Nach Ende der Rauhnächte beginnt das neue Jahr, das mit den Perchtenumzügen begrüßt wird. Dabei ziehen 12 häßliche, die das alte Jahr symbolisieren, und 12 schöne Perchten, für das neue Jahr, mit. Über sie wacht die Erdgöttin Frigg, auch als Frau Holle bekannt, die den neuen Sonnengott zur Welt gebracht hat. Die christliche Version davon sind die Drei Königsumzüge, die allerdings auch rein heidnisch sind, da sie die drei Schöpfungsgötter Odin, Hönir und Loki (der schwarze König) darstellen, die aus der Leere Ginnungagap die Welt erschufen und nun über die Erde wandeln und neues Leben erstehen lassen.

    • Fasnacht/Fasching

      Termin: am 1. Neumond nach dem den 12 Rauhnächten folgenden Vollmond
      Die Kirche nennt dieses Fest auch Lichtmeß. Das kommt von mezzen, was soviel wie ankündigen heißt. Das Licht wird also stärker. In diesem Fest wird besonders Frey, der Licht- & Fruchtbarkeitsgott, angerufen. Das Fest beginnt mit einem großen Feuer auf einem Berg in dem eine Strohpuppe verbrannt wird, die den Winter darstellen soll. Es wird viel gelärmt, um so den Winter auszutreiben.

    So treiben wir den Winter aus
    durch unsre Stadt zum Tor hinaus
    und jagen ihn zu Schanden,
    hinweg aus unsren Landen.

    Wir stürzen ihn von Berg zu Tal,
    damit er sich zu Tode fall
    und uns nicht mehr betrüge
    mit seine späten Züge.

    Nun haben wir den Winter ausgetrieben,
    So bringen wir den Sommer herwieder.
    Den Sommer und den Maien,
    die Blümlein mancherleien.  


    Danach findet zu Hause ein Disenopfer und Ahnengedenken statt, wobei für die Natur- & Hausgeister, sowie den verstorbenen Ahnen mitgedeckt wird.

    • Ostern/Ostara

      Termin: zur Frühjahrs Tag- und Nachtgleiche, meist um den 20.März
      Das Licht hat über die Dunkelheit gesiegt und das wird jetzt 3 Tage lang gefeiert. Die Tage sind ab jetzt länger als die Nächte und der Frühling/Lenz hält seinen Einzug. Das christliche Fest Ostern hat seinen Namen von der germanischen Göttin der Morgenröte, Ostara, die ein Aspekt der Liebes- & Fruchtbarkeistgöttin Freyja ist. Hieraus erklären sich auch die vielen Bräuche, wie der Osterhase. Der Hase ist Sinnbild für Fruchtbarkeit, der stellvertretend für die Götter das Ei als Symbol für das Neuentstehen, das Weltenei, versteckt. Darum gibt es viele Spiele, wie das Eierlaufen, das Troiatanzen durch ein Labyrinth, den Schwerttanz für die jungen Krieger & morgens vor Sonnenaufgang wird schweigend das Osterwasser geschöpft. Außerdem fanden zu Ostern die ersten Thingversammlungen des jahres statt, wo die neuen Gemeindevorsteher gewählt wurden und die jungen Männer in den Kriegerbund aufgenommen wurden.


    • 1.April/Wandelmond

      Hier vermutet man den Rest eines alten heidnischen Festes zu erkennen, das durchaus mit Ostern zusammengehangen haben kann. Darin wird auf die Rivalität von Odin (Sonne) und Thor (Regen) angespielt. Und es war eben Brauch an diesem Tag einen Scherz zu machen.

    • Walpurgis/Hohe Maien

      Termin: wird am 2.Vollmond nach Ostara 12 Tage lang gefeiert
      Abgesehen von der christlichen Heiligen Walpurga geht die Vermutung, daß Walpurgis von den heiligen Wallburgen kommt, zu denen gewandert wurde bzw. die Ziel sportlicher Wettkämpfe der jungen Krieger waren, um dort den Sieger zum Maikönig zu küren, die heiligen Feuer zu entfachen und zu feiern. Hier wird die Hochzeit & die Vereinigung des Fruchtbarkeitsgottes Frey mit der Erdgöttin Gerda gefeiert, wodurch es überall zu Grünen und zu Blühen beginnt. Der Maikönig kann sich seine Maibraut wählen, der er dann für ein Jahr versprochen war. Hier wird die Birke zum Zeichen der Liebe der Braut vor's Fenster gepflanzt. Es ist also ein Fruchtbarkeitsfest, daher dichtete die Kirche mit dem Hexenfest Walpurgis riesige Orgien auf den alten Kultberg Blocksberg. Den eigentlichen Grund für die angenommenen Orgien bildet der Brauch der Paare sich anschließend nackt im Tau der Wiesen zu baden, um so die Fruchtbarkeit der natur auf sich zu übertragen. Außerdem wird gemeinsam der Maibaum, auch als Questenbaum bekannt, neu geschmückt und aufgestellt. Dieser Brauch, auf Pfingsten verschoben, ist noch immer in Questenberg im Harz lebendig.

    • Mittsommer/Litha

      Termin: zur Sommersonnenwende, meist um den 20./21.Juni
      Die Sommersonnenwende wird 3 Tage lang gefeiert. Die Sonne = Balder befindet sich auf ihren Höhepunkt, um dann zu sterben, die Tage werden wieder kürzer. Zur Herbst Tag- & Nachtgleiche versinkt Balder dann in der Unterwelt Hel und seine Frau Nanna, der Abendstern, folgt ihm - die Nächte sind dann wieder länger als der Tag. Daher werden in den Sonnenwendsfeuern auf den Kultbergen auch Strohpuppen verbrannt, die Balder auf dem Scheiterhaufen symbolisieren. Auch werden brennende Räder die Berge hinab gerollt, die die Sonne darstellen, die jetzt wieder von ihrem Zenit heruntersteigt. Auch hier ist der Brauch des Questenbaumes überliefert. Außerdem findet jetzt die heilige Kräuterweihe statt, in dessen Büschel die heiligen Pflanzen, die man das ganze Jahr über zum Heilen und Zaubern brauchte, geweiht wurden. Wer Heiraten wollte, besiegelte das mit einem Sprung durchs Feuer, dabei war man nackt, um die reinigende Kraft des Feuers in sich aufzunehmen. Wer noch keinen Mann hatte, konnte in dieser Nacht durch Orakel mehr über den Zukünftigen erfahren. Es wurden die Teiche und Brunnen geschmückt zu Ehren Sagas, der Göttin der Wasser und der Weisheit, wobei das heilige Mittsommerwasser geschöpft wurde.

    • Leinernte

      Termin: zum 2. Vollmond nach Mittsommer
      Die Überlieferung der Edda erzählt, daß Loki Thor's Frau Sif, der Wachstumsgöttin, die langen goldenen Haare abschneidet, die die reifen Getreidehalme symbolisieren. Jetzt in der Sommerglut wird also das Korn geerntet und nun ist es auch am meisten durch Hagel und Unwetter gefährdet.Es wird Thor um gutes Wetter bei der Ernte angerufen. Auch hier werden Kräuterbüschel geweiht und hierfür die Heilgöttin Eir angerufen.

    Eismahd

    Gold in Mittags Licht
    Glüht das Ährenfeld und schwingt
    Erntereif und kornbesetzt im Sommerwind
    Stolzer Ähren Pracht
    Sich zu Boden neigt und harrt
    Von der Hitze Staub bedeckt, der kommend Mahd.

    Doch von ferne droht
    Hagals Allmacht wolkenschwer,
    Zu zerschmettern Jeras Pracht mit Eises Heer.
    Erntings bittrer Gast
    Niederfährt ins Ährendicht,
    Hagelkorn mit Urgewalt die Halme bricht.

    Hagals Lied verklingt.
    Urteil sprach er kalt und weiß.
    Zu Boden sinkt der einzeln Halm auf sein Geheiß.
    Doch im reifen Feld
    Dichtgedrängt die Ähren steh'n
    Unbeugsam im festen Bund dem Hagel widerstehn.


    • Erntedank /Herbstopferfest

      Termin: zur Herbst Tag- & Nachtgleiche meist um den 23.September
      Hier wird den Göttern 3 Tage lang für die Ernte gedankt, Balder sinkt in Hel's Unterwelt und die Göttin der Jugend Idun wird von den Riesen entführt, was das Ende der Götter einleitet, denn sie ist die Hüterin der heiligen Äpfel, die den Göttern ewige Jugend und Unsterblichkeit schenken. Daher wird als Opfer der letzte Apfel am Baum hängen gelassen. Außerdem gibt es als Opfer an den Gotte Frey einen Eber zum Erntedankschmaus und es wird das Wodelsbier gebraut zu Ehren Wotans. Aus den letzten Korngarben auf dem Felde wird der Erntedankkranz geflochten.

    • Allerheiligen/Winternacht

      Termin: am 2.Vollmond nach der Herbst Tag- & Nachtgleiche
      Beginn des weiblichen Mondjahres. Die Natur stirbt und der Winter beginnt. Daher wird den Ahnen & Disen (helfende Geistwesen) in Form eines Disenopfers gedacht, was im christlichen Fest Allerheiligen noch nachklingt. Zum Ahnengedenken wird auf den Friedhof gegangen, um dort die Gräber zu schmücken und gemeinsam mit den Verstorbenen einen Festschmaus abzuhalten. Dabei kann man ihnen auch Fragen zur Zukunft stellen. Am Abend wurde zu Hause den Haus- & Naturgeistern auch ein Tellerchen mit hingestellt. Die verstorbenen Krieger in Walhalla werden angerufen, damit sie in der bevorstehenden Götterdämmerung auf der Seite der Götter tapfer gegen die Riesen kämpfen. Nun beginnt die Wilde Jagd durch die Nebelungslüfte, die im Julfest zur Ragnarök ihren Höhepunkt erfährt.